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Bitpanda Mythbusters: Sind Quantencomputer das Ende der Blockchain?

Bitpanda

Von Bitpanda

Mit dem Fortschritt im Quantencomputing wachsen auch die Sorgen um die Sicherheit von Blockchain-Technologie und Krypto-Assets. Schlagzeilen sprechen von einer „Quantenapokalypse“, die kryptografische Verfahren aushebeln und digitale Assets über Nacht wertlos machen könnte. Doch wie viel Wahrheit steckt wirklich dahinter? Und fehlt in dieser Debatte vielleicht ein wichtiger Teil des Gesamtbilds? In dieser Ausgabe unserer Bitpanda Blog-Reihe Mythbusters schauen wir uns die Fakten objektiv an – damit du dir deine eigene Meinung bilden kannst. Los geht's.

Quantencomputer gelten als bedeutender technologischer Fortschritt. Mit ihnen können bestimmte komplexe Probleme exponentiell schneller gelöst werden als mit klassischen Computern. Vor diesem Hintergrund wächst die Sorge, dass Quantencomputer eines Tages die kryptografischen Algorithmen knacken könnten, die Blockchain-Netzwerke absichern. Schlagzeilen stellen dieses Szenario häufig als existenzielle Bedrohung für Kryptos dar. Die Realität zeichnet jedoch ein differenzierteres Bild.

Was ist Quantencomputing und warum ist es wichtig?

Quantencomputer verarbeiten Informationen grundlegend anders als klassische Computer. Möglich wird das durch die Prinzipien der Quantenmechanik – insbesondere Superposition und Verschränkung. Statt mit Bits (0 und 1) arbeiten sie mit Quantenbits, sogenannten Qubits, die gleichzeitig mehrere Zustände einnehmen können. Stell dir das wie eine Münze vor, die du in die Luft wirfst: Sie dreht sich noch und es steht noch nicht fest, ob sie auf Kopf oder Zahl landen wird. Anstatt eine Lösung nach der anderen zu berechnen, können Quantencomputer also viele mögliche Lösungswege gleichzeitig verfolgen. Genau darin liegt ihre Stärke – etwa bei der Faktorisierung großer Zahlen oder bei der Suche in unsortierten Datenbanken.

Die Sicherheit der meisten Blockchain-Systeme basiert auf kryptografischen Algorithmen, die für klassische Computer praktisch nicht zu knacken sind. Bei Bitcoin kommen dafür zwei zentrale Verfahren zum Einsatz: der Elliptic Curve Digital Signature Algorithm (ECDSA), mit dem Transaktionen signiert werden, und der Secure Hash Algorithm 256-bit (SHA-256), der beim Mining und bei der Generierung von Adressen verwendet wird. Beide gelten als sicher gegenüber Angriffen mit klassischen Computern. Anders sieht es bei theoretischen Quantenalgorithmen aus. Vor allem der Shor-Algorithmus zur Faktorisierung und der Grover-Algorithmus zur Suche könnten diese Systeme potenziell gefährden. Shors Algorithmus könnte ECDSA knacken, Grovers Algorithmus die effektive Sicherheit von SHA-256 verringern.

Die Quantenbedrohung: Was bedeutet sie für deine Kryptos?

Kurz gesagt: Quantencomputing stellt langfristig eine echte Herausforderung für die Blockchain-Technologie dar. Aktuelle Forschungsergebnisse lassen sie näher erscheinen als noch vor einem Jahr – gleichzeitig bereitet sich die Branche bereits seit Jahren darauf vor. Das ist kein Widerspruch. Vielmehr zeichnen diese Aussagen ein differenziertes Bild: Es gibt einen technischen Handlungsbedarf, aber keinen Grund zur Panik.

Die wichtigsten Fakten im Überblick:

  • Es gibt bislang keinen Quantencomputer, der Bitcoin oder Ethereum knacken könnte. Selbst die leistungsfähigsten Systeme der Welt sind davon noch weit entfernt – dafür wäre Hardware nötig, die es bislang nicht gibt.
  • Die Krypto-Branche wartet nicht auf den entscheidenden Durchbruch. Für quantenresistente Kryptografie gibt es inzwischen offizielle Vorgaben der US-Standardisierungsbehörde – sie kommt bereits auf mehreren Blockchains zum Einsatz. Die größten Netzwerke arbeiten an ihren Upgrades und testen diese bereits in Testnets.
  • Bitcoin bringt bereits einen gewissen Schutz mit: Wer grundlegende Wallet-Sicherheitsregeln beachtet, schützt Adressen, von denen noch keine Transaktion ausgegangen ist. Diese geben keine Informationen preis, die ein Quantencomputer für einen Angriff nutzen könnte.
  • Noch ein wichtiger Punkt: Bis heute hat kein Quantenangriff auf eine Blockchain zu finanziellen Verlusten geführt. Die größten Schäden im Kryptomarkt entstanden auch im vergangenen Jahr aus den bekannten Gründen: Smart-Contract-Fehler, Bridge-Hacks, Phishing und gestohlene Schlüssel.

Was hat sich also tatsächlich verändert? Und welche Bedeutung hat das? Schlüsseln wir das Schritt für Schritt auf.

Was hinter den aktuellen Forschungsergebnissen steckt

Eine aktuelle Studie^1 hat untersucht, wie groß ein Quantencomputer sein müsste, um die Kryptografie von Bitcoin zu knacken. Das Ergebnis sorgte für Aufregung: Die benötigte Größe wäre etwa zwanzigmal geringer als bislang angenommen. Das klingt zunächst alarmierend – die Erkenntnis ist jedoch durchaus relevant und muss im richtigen Kontext betrachtet werden.

Erstens: „Zwanzigmal kleiner“ heißt nicht, dass es auch „zwanzigmal schneller“ geht. Zwar ist die technische Hürde niedriger als bislang angenommen, sie liegt aber immer noch weit jenseits dessen, was heute technisch machbar ist. Die modernsten Quantencomputer arbeiten derzeit mit etwa eintausend Qubits. Um Bitcoin anzugreifen, wäre laut Studie jedoch ein System mit rund einer halben Million geeigneter Qubits erforderlich – einschließlich einer skalierbaren Fehlerkorrektur, die bislang noch nicht existiert. Von diesem Punkt sind wir noch weit entfernt. Nach Einschätzung der meisten Experten dürfte eine solche Technologie frühestens in den 2030er-Jahren verfügbar sein. Wann genau, lässt sich derzeit jedoch nicht verlässlich vorhersagen.

Zweitens wird die Studie häufig missverstanden. Die Autoren sagen nicht voraus, dass ein Kollaps unmittelbar bevorsteht. Sie empfehlen vielmehr, den Übergang zu quantenresistenter Kryptografie früher als später einzuleiten. Diese Empfehlung richtet sich an eine Branche, die sich bereits darüber einig ist, dass dieser Schritt langfristig notwendig ist. Die Botschaft lautet also: Jetzt ist der richtige Zeitpunkt, den Übergang voranzutreiben – nicht, dass eine Katastrophe unmittelbar bevorsteht.

Die wichtigste Erkenntnis aus den aktuellen Forschungsergebnissen lautet daher: Das Zeitfenster könnte kleiner sein als bisher gedacht. Gleichzeitig bleibt ausreichend Zeit, um die notwendigen Vorbereitungen zu treffen – und diese sind bereits in vollem Gange.

Kurz gesagt: Die neuen Forschungsergebnisse zeigen, dass die Quantenherausforderung näher ist als bisher angenommen – aber sie ist noch kein akutes Problem. Die richtige Reaktion lautet daher: Schutzmaßnahmen weiterentwickeln, nicht in Panik verfallen.

Wie Bitcoin sich schützt – und wo die Grenzen liegen

Als Bitcoin entwickelt wurde, spielten Quantencomputer noch keine Rolle. Dennoch verfügt das Netzwerk über Eigenschaften, die die potenziellen Risiken begrenzen.

Der wichtigste Schutz ist zugleich der einfachste: Solange von einer Bitcoin-Adresse noch keine Transaktion ausgegangen ist, werden keine kryptografischen Informationen offengelegt, die ein Quantencomputer für einen Angriff nutzen könnte. Erst beim Versenden einer Transaktion werden diese Daten auf der Blockchain sichtbar. Wer die üblichen Empfehlungen beachtet – also für jede Transaktion eine neue Adresse nutzt und alte nicht wiederverwendet –, profitiert bereits von einem wirksamen Schutz für einen großen Teil seiner Bestände.[^2]

Es gibt allerdings einen wichtigen Punkt, den man nicht ausblenden sollte. Ein erheblicher Teil des Bitcoin-Bestands – darunter auch die Coins von Bitcoin-Entwickler Satoshi Nakamoto, die seit 2009 nicht bewegt wurden – basiert auf einem älteren Adressformat, das die relevanten kryptografischen Informationen offenlegt. Diese Coins lassen sich häufig nicht auf ein sichereres Adressformat übertragen, weil die privaten Schlüssel vermutlich verloren sind. Wie dieses Problem gelöst werden kann, ist in der Bitcoin-Community noch Gegenstand einer offenen Diskussion. Einen Konsens gibt es bisher nicht. Es handelt sich um ein echtes Problem – und eines, das man nicht unter den Teppich kehren sollte.

Für die meisten Nutzer ändert sich im Alltag zunächst wenig. Die wichtigsten Schutzmaßnahmen gibt es bereits – und sie gehören ohnehin zu den grundlegenden Empfehlungen. Verwende keine Bitcoin-Adresse mehrfach. Nutze eine vertrauenswürdige Wallet. Installiere Software-Updates zeitnah. Genau diese Maßnahmen schützen auch vor klassischen Angriffen, die, wie wir später noch sehen werden, weiterhin die größere Gefahr darstellen.

Kurz gesagt: Bewährte Sicherheitsmaßnahmen für Wallets helfen auch im Hinblick auf bestimmte Quantenrisiken – vor allem, wenn Adressen nicht wiederverwendet werden. Sie bieten jedoch keinen umfassenden Schutz vor Quantenrisiken, Risiken auf Protokollebene, Verwahrrisiken oder Marktverlusten. Die größere Herausforderung sind nach wie vor Coins, die nicht mehr bewegt werden können, weil ihre privaten Schlüssel verloren sind.

Quantenresistente Kryptografie ist schon Realität

Ein Aspekt der Debatte kommt oft zu kurz – dabei ist er einer der wichtigsten. Die Technologie, die langfristig bestehende Kryptografie ersetzen soll, existiert bereits. Im August 2024 hat das US-amerikanische National Institute of Standards and Technology (NIST) neue kryptografische Standards veröffentlicht, die speziell für den Schutz vor Quantenangriffen entwickelt wurden. Es handelt sich nicht um Prototypen, sondern um wissenschaftlich geprüfte und produktionsreife Standards, die bereits schrittweise im gesamten Internet eingeführt werden – nicht nur im Kryptobereich.

Quantenresistente Kryptografie kommt bereits auf mehreren Blockchains zum Einsatz. QRL setzt die Technologie seit 2018 ein, Algorand hat 2025 seine erste quantenresistente Transaktion verarbeitet, und das XRP Ledger testet die neuen Algorithmen bereits in seinem Testnetzwerk. Auch Bitcoin und Ethereum arbeiten an entsprechenden Upgrades: BIP-360 und EIP-7932 sollen quantenresistente Signaturen in die jeweiligen Protokolle integrieren. Die Ethereum Foundation investiert außerdem seit Jahren in die Forschung zur Post-Quanten-Kryptografie.

Diese Arbeit ist noch lange nicht abgeschlossen. Neue kryptografische Verfahren in einem dezentralen Netzwerk einzuführen, ist ein bewusst langsamer und komplexer Prozess – genau diese Eigenschaft macht Blockchains schließlich auch so widerstandsfähig gegen Angriffe. Doch „langsam und komplex“ ist etwas völlig anderes als „schutzlos“. Die Umstellung läuft bereits und hat die Anfangsphase längst hinter sich gelassen.

Kurz gesagt: Quantenresistente Kryptografie ist kein Forschungsprojekt der Zukunft. Sie ist heute bereits standardisiert, wird auf mehreren Blockchains eingesetzt und ihre Integration in die großen Netzwerke ist bereits geplant.

Die Risiken, die heute wirklich Geld kosten

Blenden wir Quantencomputer für einen Moment aus und schauen uns an, wodurch Krypto-Investoren im vergangenen Jahr tatsächlich Geld verloren haben. Laut Chainalysis wurden 2023 Krypto-Assets im Wert von rund 1,7 Milliarden US-Dollar aus dem Krypto-Ökosystem gestohlen. Verantwortlich waren – wie so oft – Smart-Contract-Exploits, Bridge-Hacks, kompromittierte private Schlüssel und Phishing-Angriffe. Quantencomputer? Sie spielten bei keinem einzigen dieser Vorfälle eine Rolle.

Unser Bitpanda Mythbuster zum Energieverbrauch von Bitcoin hat bereits gezeigt, dass öffentliche Debatten und tatsächliche Risiken oft auseinandergehen. Das gilt auch hier. Quantencomputer sorgen für Aufmerksamkeit – die größten Schäden entstehen jedoch meist durch unspektakulärere Ursachen: sichere Smart Contracts, vertrauenswürdige Wallets, Wachsamkeit gegenüber Phishing und eine Seed Phrase, die offline aufbewahrt wird.

Das bedeutet nicht, dass Quantencomputer keine Rolle spielen. Im Gegenteil: Sie sind relevant und die Vorbereitung darauf ist wichtig. Für deine persönliche Risikoeinschätzung sollten sie heute jedoch nicht an erster Stelle stehen. Die größte Wahrscheinlichkeit, in den nächsten zwölf Monaten Geld zu verlieren, geht weiterhin von den bekannten Risiken aus. Genau dort solltest du zuerst ansetzen.

Kurz gesagt: Wer heute Krypto hält, muss sich vor allem gegen klassische Sicherheitsrisiken schützen. Quantencomputer gehören derzeit nicht zu den größten Gefahren – und das wird sich kurzfristig voraussichtlich nicht ändern.

Was bedeutet das für dich?

Ganz gleich, ob du deine Kryptos auf Bitpanda oder einer anderen Plattform hältst: So sieht die aktuelle Lage aus.

Quantencomputer sind eine reale Herausforderung – wahrscheinlich mit einem Zeithorizont von zehn Jahren oder mehr. Die neuen Forschungsergebnisse haben diesen Zeitrahmen zwar verkürzt, aber nicht grundlegend verändert. Gleichzeitig arbeitet die Krypto-Branche bereits an der Umstellung auf quantenresistente Kryptografie. Das gilt auch für die Blockchains, auf denen die meisten Nutzer ihre Krypto-Assets halten – sie arbeiten bereits an konkreten Lösungen, deren Fortschritt sich anhand klarer Meilensteine nachvollziehen lässt. Für dich gilt außerdem: Moderne Wallets nutzen, Bitcoin-Adressen nicht wiederverwenden und Software aktuell halten sind schon heute bewährte Sicherheitsmaßnahmen – unabhängig vom Thema Quantencomputer.

Der Mythos, dass die Blockchain einer Quantenapokalypse schutzlos ausgeliefert ist, bleibt genau das: ein Mythos. Tatsächlich geht es um einen langfristigen und bewältigbaren Übergang, der längst begonnen hat. Das Zeitfenster ist heute zwar etwas kleiner als noch vor einem Jahr, aber deutlich größer, als viele Schlagzeilen vermuten lassen. Weder Entwarnung noch Weltuntergang treffen wirklich zu. Die Wahrheit liegt – wie bei den meisten großen Technologiesprüngen – irgendwo dazwischen.

Die Realität liegt zwischen den Extremen. Weder die optimistischsten noch die pessimistischsten Einschätzungen zeichnen ein vollständiges Bild. Quantencomputing ist eine Herausforderung, die die Branche bewältigen muss – heute ist es jedoch keine existenzielle Bedrohung für Blockchain-Technologie.

Damit können wir diesen Mythos als widerlegt betrachten.


Disclaimer

Dieser Artikel dient ausschließlich allgemeinen Informationszwecken und ist nicht als Angebot oder Empfehlung zum Trading mit Krypto-Assets oder zur Nutzung von Krypto-Asset-Services zu verstehen. Er stellt keine Anlageberatung dar und kann diese nicht ersetzen. Investitionen in Krypto-Assets sind mit Risiken verbunden, darunter Kursschwankungen, der vollständige Kapitalverlust und Risiken im Bereich der Cybersicherheit.

In diesem Artikel werden technologische Entwicklungen diskutiert. Aussagen zu zukünftigen Entwicklungen, Zeitplänen, Einführungen, Upgrades oder der Ausfallsicherheit sind zukunftsgerichtet und daher unsicher; die tatsächlichen Ergebnisse können erheblich davon abweichen.

Keine der Aussagen in diesem Artikel stellt eine Garantie dafür dar, dass ein Blockchain-Netzwerk, ein Krypto-Asset, eine Wallet, ein Protokoll oder ein Dienst quantenresistente Schutzmaßnahmen einführt oder zukünftige Sicherheitsrisiken vermeidet.

Bitpanda gibt keine Zusicherungen oder Gewährleistungen hinsichtlich der Richtigkeit, Vollständigkeit oder fortwährenden Verfügbarkeit dieser Informationen ab. Die Informationen können veraltet sein und sollten nicht als alleinige Grundlage für Entscheidungen im Zusammenhang mit Krypto-Assets oder Krypto-Asset-Services dienen.

[^2]: Das gilt für alle Adressformate mit Ausnahme der neuen Taproot-Adressen, die in Wallets in der Regel noch nicht als Standard verwendet werden. Für sie gibt es mit Pay to Merkle Root bereits einen neuen Vorschlag, der dieses Problem lösen soll. https://bip360.org/bip360.html

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